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Theo Zwanziger warnt vor Rassismus

Politik Dreikönigstreffen der JU-Verbände aus dem nördlichen Rheinland-Pfalz in Kestert

Kestert. Einen besonderen Gastredner konnte der Bezirksverband Koblenz-Montabaur bei seinem traditionellen Dreikönigstreffen in Kestert begrüßen. Der ehemalige Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) und Politiker Dr. Theo Zwanziger nahm gerne die Gelegenheit wahr, zum Thema „Die Entwicklung des Nordens Rheinland-Pfalz und die CDU – ein Doppelpass“ mit den Mitgliedern der Jungen Union ins Gespräch zu kommen. Neben den Bereichen Demokratie, Rassismus, Kommunalpolitik und Europa spielte dabei natürlich auch der Fußball eine große Rolle.
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Theo Zwanziger stellte gleich zu Beginn klar: „Ich bin glücklich, Rheinland-Pfälzer zu sein.“ Er wisse um die Stärken des Bundeslandes, kenne aber auch die Probleme und Bedrohungen. Die Entscheidung, in Rheinland-Pfalz Verbandsgemeinden zu gründen und somit die Ortsgemeinden weitestgehend zu erhalten, sei die richtige gewesen. Dadurch konnte sich laut Zwanziger das Ehrenamt etablieren, was eine hohe Bedeutung für den Menschen habe. Die Zukunft der Bürgerinnen und Bürger, vor allem der jungen, sei in Europa zu suchen. Langsam aber sicher müsse man sich in Richtung des europäischen Bundesstaates bewegen. „Das ist nicht auf einen Schlag zu erreichen, sondern muss Zug um Zug geschehen“, zeigte sich Theo Zwanziger überzeugt.

Am Herzen liegt dem ehemaligen DFB-Präsidenten auch die Kommunalpolitik, die sich seiner Ansicht nach am Gemeinwohl orientieren muss. „Es ist unverzichtbar, mit den Leuten zu reden und sich um nah am Menschen liegende Strukturen zu bemühen“, stellte er fest. Jedoch ist er sich darüber im Klaren, dass es in Zeiten leerer Kassen für die Kommunen immer schwieriger wird. Früher seien Zuschüsse an Vereine noch möglich gewesen, wodurch das ehrenamtliche Engagement gestärkt und gefördert wurde. Umso erfreulicher sei es, dass sich junge Menschen trotzdem engagieren.

„Ich bin Ihnen dankbar, dass sie Politik machen und sich ehrenamtlich einbringen“, wandte sich Theo Zwanziger an die Mitglieder der Jungen Union. Früher sei Jugendpolitik einfacher durchzusetzen gewesen. Viele vernünftige Vorschläge würden heutzutage durch die Medien kaputtgemacht. Aber gerade deswegen sei es wichtig, Mut zu haben und miteinander zu reden. „Wir sind eine Union der Generationen“, erinnerte er. Ein weiteres Zusammenrücken der Jungen Union und der Senioren Union sei ein sinnvoller Weg. Auch rief er dazu auf, sich für die Demokratie einzusetzen und den Wert des Staates zu sehen. Zwar sei es schwer in einer Demokratie Verantwortung zu tragen, dennoch lohne es sich. Denn sonst würden Radikale von links oder rechts mehr Raum eingeräumt bekommen, was zu verhindern sei.

„Eine patriotische Grundeinstellung zu seinem Land ist richtig, jedoch wird aus Patriotismus schnell Nationalismus“, warnte er. Nationalismus erhöhe Menschen gegenüber anderen und das sei der Anfang vom Ende. „Seid wachsam gegenüber Diskriminierung und Überheblichkeit und sorgt dafür, dass junge Menschen in unserem Staat eine Perspektive haben“, appellierte er. Niemand solle sich von den Rechten auf einen falschen Weg führen lassen. „Ein Rassist bleibt zunächst im Dunkeln. Wenn man ihn bemerkt, ist es schon zu spät“, zeigte Theo Zwanziger die Gefahr auf.

Ebenso leidenschaftlich wie er sich für den Schutz der Demokratie einsetzte, sprach Zwanziger über seine große Leidenschaft, den Fußball. „Fußball ist mein Leben“, bestätigte er. Als Experte sieht er allerdings auch die Schattenseiten. Ausschreitungen, zunehmende Kommerzialisierung und Respektlosigkeit machten es dem Fußball schwierig. Außerdem müsse die Balance zwischen dem Spitzensport und der Basis gehalten werden. Angesprochen auf das Sicherheitspapier der Deutschen Fußball Liga erklärte er, dass ein Papier alleine das Problem von Pyrotechnik und Krawallen nicht lösen könne. „Was wir brauchen, ist Prävention“, äußerte er sich.

Auch nach den Vorkommnissen der WM-Vergabe 2022 wurde Theo Zwanziger gefragt. Er meinte, dass eine Umstrukturierung der Fédération Internationale de Football Association (FIFA) dringend notwenig gewesen sei. „Die FIFA ist jetzt in der Lage, mit unabhängigen Gerichten und Anwälten etwaige Fehlverhalten der Offiziellen zu sanktionieren“, berichtete er. Auch zu den Gehältern der Fußballprofis und dem 1. FC Kaiserslautern fand ein Gedankenaustausch statt. Zum Abschluss seines Besuches lobte er Julia Klöckner, deren Führung der CDU Rheinland-Pfalz ihn glücklich mache. Er bescheinigte ihr ein gutes Führungskonzept, das keine Diskussionen verbiete. „Wir müssen den Mut haben, an so einer starken Frau festzuhalten“, forderte er.


thumb RZ - Theo Zwanziger warnt vor Rassismus
Quelle:
Susanne Schneider, www.rhein-zeitung.de, (erschienen in den RZ-Ausgaben: Rhein-Lahn Diez & Bad Ems, Westerwald, Cochem, Rhein-Hunsrück)

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